Archipel Europa: Grenzen, Bewegungen, Völker
Was ist ein Volk, was ist eine Zivilisation?
Viele öffentliche Debatten über die Zukunft Europas, des Westens, der Demokratie und der „Werte“ sind von einer verzerrten Vorstellung davon geprägt, was ein „Volk“, eine „Nation“ oder eine Zivilisation eigentlich ist. Wir betrachten „Völker“ weiterhin als voneinander getrennte Einheiten, die wie aufeinanderprallende Steine Funken sprühen und Konflikte auslösen.
Adriano Favole wird anhand eines anthropologischen Ansatzes und seiner Feldstudien in den europäischen Überseegebieten die relationale Natur jeder Gesellschaft aufzeigen. Schon der Begriff „Westen“ selbst ist, genauer betrachtet, eine Beziehung: Der Westen impliziert einen Osten, einen Norden, einen Süden und unzählige weitere Positionen. Es ist sinnlos, von „westlichen Werten“ zu sprechen, ohne zu fragen, welche Beziehungen im Laufe der Geschichte zwischen Gesellschaften und Staaten bestanden haben, die sich selbst als westlich definieren. Die Auseinandersetzung mit diesen Beziehungen, die ein Bild Europas als Archipel statt als „Territorium“ nahelegt, ist keine rein theoretische Frage für Akademiker: Es geht vielmehr darum, das Zusammenleben und nicht Identitäten in den Mittelpunkt zu stellen. Der Referent der Veranstaltung ist Adriano Favole: Kulturanthropologe, Professor an der Universität Turin, Gastprofessor an der Universität Neukaledonien und Autor. Die Moderation übernimmt Franco Chittolina , Gründer und Vizepräsident von APICEUROPA.